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Montabaur. „Durchschnittlich vier bis fünf Mitglieder täglich“ betrage die derzeitige Zuwachsrate bei der Piratenpartei in Rheinland-Pfalz. Ansgar Veltens, Schatzmeister des Landesverbandes, legte an diesem Abend sein verschmitztes Lächeln nicht ab, denn beim ersten „Piraten-Stammtisch“ in Montabaur wurde diese Quote locker erfüllt. Bundesweit zählt die Partei rund 80 bis 100 Eintritte täglich. Erstaunlich war selbst für Veltens Sohn Angelo, Vorsitzender der rheinland-pfälzischen Piraten, die Resonanz auf die Einladung: Rund 20 Interessenten hatten sich an eilig zusammengestellten Tischen auf dem Platz vor der Szene-Kneipe „Camelot“ versammelt, um Näheres über die noch junge Partei zu erfahren. Die Stichworte konnten die Versammlungsteilnehmer Faltblättern entnehmen, die derzeit so gefragt sind, dass die Partei mit dem Drucken kaum nachkommt.

Der Landesverband Rheinland-Pfalz zählt inzwischen mehr als 350 Mitglieder und ist in den letzten 3 Monaten um 400 Prozent gewachsen. Auch die Zahl der Regionalgruppen hat sich im gleichen Zeitraum vervierfacht. Auf Bundesebene ist die Piratenpartei nach eigener Darstellung mit fast 8000 Mitgliedern und einem ungebrochen starken Zuwachs die größte Partei nach Bündnis 90/Die Grünen.

In Rheinland-Pfalz existieren aktive Gruppen in Mainz, Koblenz und Landau sowie in Bad-Dürkheim, Bad-Kreuznach, Bingen, Neustadt/Weinstr, Idar-Oberstein, Kaiserslautern, Ludwigshafen, Trier und der Vulkaneifel.

Die Piratenpartei Rheinland-Pfalz wirbt im Bundestagswahlkampf um Stimmen gegen Überwachung und für mehr informationelle Selbstbestimmung, für einen besseren Datenschutz und für ein faires Urheberrecht, für ein transparentes Staatswesen und den freien Zugang zu Information und Bildung. Die Piratenpartei Deutschland wurde im Zuge einer neuen Demokratie‑ und Bürgerrechtsbewegung in Europa gegründet. Ihren Ursprung hat die 2006 gegründete Piratenpartei in Schweden. Dort zog sie im Juni 2009 mit mehr als sieben Prozent der Stimmen in das Europaparlament ein und ist mit mehr als 50.000 Mitgliedern die drittgrößte Partei des Landes.

Es ist ein Altersmix zwischen 15 und 50 Jahren, der sich beim Piraten-Stammtisch in Montabaur offenbart. Die Versammlung erinnert ein wenig an die Gründerjahre der Grünen: Es herrscht Aufbruchstimmung, und nach der üblichen Kennenlern-Runde bilden sich gleich intensiv kommunizierende Kleingruppen, die dem Versammlungsleiter Geduld abverlangen. Die Piraten haben sich nach ihrem unerwartet erfolgreichen Abschneiden bei der Europawahl erst nach kurzem Zögern in die Bundestagswahl gestürzt. „Ich bin froh, dass wir antreten“, meint der Landesvorsitzende. Man will wissen, wo man auf bundespolitischer Ebene im Wähleransehen steht.

Die Piraten-Mitglieder gehören zur ersten herangewachsenen Internet-Generation. Beim Stammtisch in Montabaur ist kaum einer, der nicht irgendwie mit der neuen Technologie zu tun hat. Selbst Dieter Weiprecht, genannt „Dragon“, als der „älteste“ Vertreter beschäftigt sich intensiv mit Fragen der Web-Präsenz der Partei. Ein Stammtisch wie an diesem Abend repräsentiert nur einen ganz kleinen Teil der Diskussionskultur bei den „Piraten“. In Internetforen und Chatrooms wird heftig um den künftigen Kurs gerungen – die Piratenpartei ist ohne dieses Medium eigentlich gar nicht denkbar.

Dieter Weiprecht organisiert und koordiniert auf Landes‑ und Bundesebene diverse Arbeitsgemeinschaften zu unterschiedlichsten Themen. Verstärkt aufgreifen, so Weiprecht, will man Fragen der Wirtschafts‑ und Sozialpolitik. Energisch wirbt er auch für die „AG Senioren“, die dringend ein paar mehr Aktive brauche. Die verschiedenen Themenstellungen, so erklärt er, werden basisdemokratisch in den Arbeitsgemeinschaften diskutiert und schließlich in die Landes‑ und Bundesgremien transportiert, wo endgültig entschieden wird.

Die inhaltliche Diskussion kommt an diesem Abend in Montabaur vielleicht ein wenig zu kurz, es gilt den Endspurt im Bundestagswahlkampf zu organisieren. Patrick Häbel und Dennis Leschnikowski werden sich um die Verteilung von Informationsmaterial im Raum Montabaur sowie um weitere Stammtisch-Veranstaltungen kümmern. Der Stammtisch in Montabaur soll künftig an jedem zweiten Mittwoch im Monat im „Camelot“ in Montabaur stattfinden. Kontakt: Patrick Häbel, Dennis Leschnikowski.

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