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Stolz präsentierten die Mitarbeiter des Stadtladens in Höhr-Grenzhausen dem Landesbehindertenbeauftragten Ottmar Miles-Paul (zweiter v. links) ihr "Schmuckkästchen". (Fotos: Herbert A. Eberth)

Stolz präsentierten die Mitarbeiter des Stadtladens in Höhr-Grenzhausen dem Landesbehindertenbeauftragten Ottmar Miles-Paul (zweiter v. links) ihr "Schmuckkästchen". (Fotos: Herbert A. Eberth)

Westerwaldkreis. Ottmar Miles-Paul, Behindertenbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz, verschaffte sich bei einem Besuch im Westerwaldkreis Eindrücke von ehrenamtlicher und hauptamtlicher Tätigkeit für und mit behinderten Menschen. Erste Station war der „Stadtladen“ in Höhr-Grenzhausen, einem Integrationsbetrieb der gemeinnützigen Gesellschaft für Gemeindepsychiatrie der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Vier Menschen mit psychischem Handicap haben hier eine Beschäftigung gefunden und werden beruflich qualifiziert, so dass sie durchaus auch eine Chance auf dem so genannten „ersten Arbeitsmarkt“ haben. Der Stadtladen bietet seinen Kunden auf 330 Quadratmetern Verkaufsfläche Lebensmittel für den täglichen Bedarf, Tiefkühlkost und Non-Food-Artikel sowie frisches Obst, Gemüse und Molkereierzeugnisse.

Otmar Schneider, Betriebsleiter für die Dorf- und Stadtläden bei der AWO-Gemeindepsychiatrie (Mitte) beantwortete dem Landesbehindertenbeauftragten und seinem Begleiter Uli Schmidt (links) Fragen zum Stadtladen.

Otmar Schneider, Betriebsleiter für die Dorf- und Stadtläden bei der AWO-Gemeindepsychiatrie (Mitte) beantwortete dem Landesbehindertenbeauftragten und seinem Begleiter Uli Schmidt (links) Fragen zum Stadtladen.

Miles-Paul, der von Otmar Schneider, Betriebsleiter für die Dorf‑ und Stadtläden, begrüßt wurde, sprach schon gleich zu Beginn von einem „Schmuckkästchen“. Schneider erläuterte ihm Organisation und Ziele der Integrationsbetriebe. Der „Stadtladen“ sei Teil einer Dorfladenkette mit insgesamt schon 25 Arbeitsplätzen für behinderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Behinderte lernen dort professionellen Kundenkontakt und werden ausgebildet in Service und Bestellung, Lagerhaltung und Hygiene. „ Die Kunden nehmen den im Juli 2009 neu eröffneten Laden in der Höhrer Ortsmitte gut an“, so Schneider. Die Chance, die behinderte Menschen hier erhalten, ist nach Einschätzung des Landesbehindertenbeauftragten ein besonders wichtiger Beitrag zur Integration in den beruflichen und gesellschaftlichen Alltag.

Die „virtuelle Werkstatt der Caritaswerkstätten Westerwald/Rhein-Lahn“ (Viweca) in Montabaur stand als nächstes auf dem Besuchsplan des Behindertenbeauftragten. Erwin Peetz, Geschäftsführer der Werkstätten für behinderte Menschen der Caritas im Westerwald‑ und Rhein-Lahn-Kreis, und Roland Fleck, Leiter der Viweca, informierten die Gäste über die Arbeit der Einrichtung.

In der "virtuellen Werkstatt" der Caritas sprachen Roland Fleck, Britta Zimmermann, Erwin Peetz, Ottmar Miles-Paul, Uli Schmidt und Peter Roos (von rechts) über Fragen der Integration Behinderter in den Arbeitsmarkt.

In der "virtuellen Werkstatt" der Caritas sprachen Roland Fleck, Britta Zimmermann, Erwin Peetz, Ottmar Miles-Paul, Uli Schmidt und Peter Roos (von rechts) über Fragen der Integration Behinderter in den Arbeitsmarkt.

Die Werkstatt ist „virtuell“, weil dort keine lärmende Maschinen und Handwerkszeug zu finden sind, sondern Büros, in denen fünf Mitarbeiter sich um die Unterbringung von Menschen mit Handicaps in Arbeitsplätzen außerhalb von Werkstätten kümmern. Ziel ist die Integration in den „ersten Arbeitsmarkt“. Vorbereitende Qualifizierung wie etwa das Einüben sozialer Kompetenzen gehört ebenso zu den Aufgaben von Viweca wie Potenzialanalysen, mit deren Hilfe Stärken und besondere Fähigkeiten behinderter Menschen festgestellt werden.

Seit Beginn seiner Tätigkeiten hat das Team um Roland Fleck mehr als 70 Behinderte betreut, davon 28 in Praktika, rund 15 in so genannten Außenarbeitsplätzen, 20 in beruflichen Bildungsplätzen und zehn bei Maßnahmen der unterstützten Beschäftigung. „Unspektakulär aber hilfreich“, beurteilte der Landesbehindertenbeauftragte die noch recht neue Einrichtung in der Kreisstadt und wünschte der „Viweca“ künftig viele Vermittlungen auf den 1. Arbeitsmarkt.

Nach einem aufschlussreichen und munteren Gespräch mit den Bewohnern einer Behinderten-Wohngemeinschaft (wir berichteten) war die Bezirksgeschäftsstelle der AOK in Montabaur letzter Halt auf der Rundreise des Landesbehindertenbeauftragten. Dort informierte sich Miles-Paul darüber, wie die Geschäftsstelle, die in einem Gebäude von eher klassizistischer als behindertenfreundlicher Bauart untergebracht ist, nachträglich für Menschen möglichst barrierefrei gestaltet werden konnte. Über den Haupteingang war dies nicht möglich, wie Bezirksgeschäftsführer Edgar Holzapfel erklärte. Behinderte Besucher können aber per Klingel einen Helfer herbeirufen, der sie dann über einen kleinen Umweg problemlos direkt ins Kundenzentrum bringt.

AOK-Bezirksgeschäftsführer Edgar Holzapfel (zweiter v. rechts) zeigte den Besuchern die Maßnahmen zur behindertenfreundlichen Gestaltung der Montabaurer Geschäftsstelle.

AOK-Bezirksgeschäftsführer Edgar Holzapfel (zweiter v. rechts) zeigte den Besuchern die Maßnahmen zur behindertenfreundlichen Gestaltung der Montabaurer Geschäftsstelle.

Bei einem Rundgang stellte Holzapfel weitere bauliche Maßnahmen wie einen Personenaufzug und die tastbare Beschriftung der WC-Türen vor. Anerkennung von Seiten des Landesbehindertenbeauftragten wie auch vom SPD-Landtagsabgeordneten Harald Schweitzer gab es auch dafür, dass die AOK im Kreisgebiet noch an sieben Standorten vertreten ist und somit für mobilitätseingeschränkte Kunden eine wohnortnahe Beratung anbietet.

Ottmar Miles-Paul hatte Grund zum Lob, gab aber auch noch kleine Anregungen, die der Bezirksgeschäftsführer gerne aufnahm. Nicht zuletzt würdigte der Landesbehindertenbeauftragte auch die vergleichsweise hohe Zahl von Menschen mit Handicap, die in den Geschäftsstellen der AOK vor allem im nördlichen Rheinland-Pfalz beschäftigt sind. Bei der AOK Regionaldirektion Westerwald beträgt der Behindertenanteil bei den Mitarbeitern rund 13 Prozent.

Mit dieser Vielfalt von Informationen war der Landesbehindertenbeauftragte bestens für die abschließende Informations‑ und Diskussionsveranstaltung im Sitzungssaal des Kreishauses gerüstet.

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