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Landesbehindertenbeauftragter Ottmar Miles-Paul stand den Zuhörern im Sitzungssaal des Kreishauses Rede und Antwort. (Fotos: Herbert A. Eberth)

Landesbehindertenbeauftragter Ottmar Miles-Paul stand den Zuhörern im Sitzungssaal des Kreishauses Rede und Antwort. (Fotos: Herbert A. Eberth)

Westerwaldkreis. „Ist es möglich, mehrfach Schwerbehinderte in integrierten Schulen ausreichend zu fördern?“ – „Wie können die Angehörigen von Schwerbehinderten bei der Pflege deutlich entlastet werden?“ – „Warum fehlen in den Krankenhäusern Fachkräfte zur Betreuung von mehrfach Schwerbehinderten?“ „Warum gibt es so wenig Spezialeinrichtungen und Fachpersonal zur Sprachförderung?“ Mit diesen und vielen anderen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmer einer Informations– und Diskussionsveranstaltung mit dem Landesbehindertenbeauftragten Ottmar Miles-Paul im Sitzungssaal des Kreishauses in Montabaur.

Zahlreiche Interessenten waren der Einladung des Forums Soziale Gerechtigkeit zu diesem öffentlichen Podium gefolgt – viele davon Angehörige behinderter Menschen sowie Vertreter von Verbänden und Einrichtungen. Im Mittelpunkt stand die Forderung des Forums, auf Kreisebene einen Behindertenbeirat zu gründen. Die SPD-Fraktion im Kreistag hat bereits einen entsprechenden Antrag vorgelegt.

Forums-Sprecher und SPD-Kreistagsmitglied Uli Schmidt begrüßte die Zuhörer und neben dem Landesbehindertenbeauftragten insbesondere Matthias Rösch, Referatsleiter Gleichstellung und Selbstbestimmung/Barrierefreiheit im Mainzer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen. „Es ist besonders wichtig“, so Schmidt, „dass behinderte Menschen von Anfang an in Diskussionen und Entscheidungen politischer Gremien einbezogen werden.“ Die UN-Konvention zur Teilhabe, Gleichstellung und Selbstbestimmung behinderter Menschen sei auch für die Kommunen im Westerwald verpflichtend. Einiges sei schon getan, vieles müsse aber noch getan werden.

Landesbehindertenbeauftragter Miles-Paul dankte Schmidt für die Organisation eines „tollen Tages“ , bei dem er eine Reihe von Einrichtungen für Behinderte im Westerwald besuchte (wir berichteten). Miles-Paul – selbst seh‑ und hörbehindert, seit 20 Jahren in der Arbeit mit behinderten Menschen tätig und seit zwei Jahren Beauftragter des Landes – betonte, dass das Landesgesetz zur Herstellung gleichwertiger Lebensbedingungen für behinderte Menschen darauf ziele, dass „behinderte und nichtbehinderte Menschen miteinander aufwachsen, dass Behinderte mitten in der Gemeinde leben und arbeiten“. Es sei besonders wichtig, Menschen mit Handicap „die Türen zum ersten Arbeitsmarkt zu öffnen“. Er freue sich, meinte er mit Blick auf den Arbeitsmarkt, dass trotz der Wirtschaftskrise die Zahl der Arbeitslosen mit Behinderungen nicht gestiegen sei.

Die UN-Behindertenrechtskonvention, so Miles-Paul, erfasse so gut wie alle Bereiche des Lebens. Sie formuliere „wohin wir gehen wollen, können und sollen“. Behindertenbeiräte und –beauftragte seien ein Instrument, das helfen könne, die Ziele der Konvention umzusetzen.

Uli Schmidt (Mitte) moderierte die Diskussion mit Ottmar Miles-Paul und Matthias Rösch (rechts).

Uli Schmidt (Mitte) moderierte die Diskussion mit Ottmar Miles-Paul und Matthias Rösch (rechts).

„Wichtig ist“, so betonte Referatsleiter Matthias Rösch, „dass viele behinderte Menschen im Westerwald als Experten in eigener Sache aktiv werden und sich für ihre Rechte einsetzen“. Rösch skizzierte am Beispiel des Mainzer Behindertenbeirats den Weg hin zu einem solchen Gremium, das eine „ Schnittstelle zur kommunalen Verwaltung“ sei und mit den Vertretern der Politik auf gleicher Augenhöhe über die Angelegenheiten behinderter Menschen berate, Vorschläge mache und entsprechende Anträge stelle.

„Wir müssen künftig mit einer Stimme reden, die behinderten Menschen und deren Angehörigen und Betreuer im Kreis müssen sich besser vernetzen, um mehr zu erreichen“, forderte ein Teilnehmer der Veranstaltung. Es folgten vielfache Appelle zur Gründung eines Kreisbehindertenbeirates. Wichtige Themen waren daneben die Sicherstellung einer Assistenz bei Krankenhausaufenthalten, passgenaue Wohnangebote außerhalb von großen Heimen, die Integration in Schule und Kindertagesstätte sowie die Sprachförderung bei Kindern.

Uli Schmidt rief abschließend dazu auf, die UN-Behindertenrechtskonvention im Westerwaldkreis umzusetzen und sagte Unterstützung dabei zu. „Wir haben heute keine Probleme gelöst, aber viele erkannt, die auf eine Lösung warten“, so Schmidt.

Keine Kommentare zu „"Wir müssen künftig mit einer Stimme reden"“

  • Klaus Müller-Wrasmann:

    Anmerkungen aus dem fernen Hannover: Ich beglückwünsche die Initiatoren für eine solche Veranstaltung, die in vielen Orten stattfinden müsste. Wir haben zwei behinderte Kinder, eines davon adoptiert. Als wir uns vor nunmehr fast fünfundzwanzig Jahren für ein Leben mit behinderten Kindern entschieden hatten, hätte eine solche Entscheidung, wenn ich noch im Westerwald gewohnt hätte, sicherlich so nicht getroffen werden können. Obwohl schwerst körperbehindert, hatte unsere Tochter hier in Hannover eine integrativ arbeitende Kindertagesstätte und eine Regelschule besuchen können. Dies ist eine Bereicherung auch für Nichtbehinderte. Ich wünsche den Selbsthilfeorganisationen im Westerwald, dass sie am Ziel der praktischen Umsetzung der UN-Konvention festhalten und auch Erfolge erleben. Notwendig ist es aber auch, an die älteren Behinderten zu denken, damit sie an ihrem Lebensende eine Umwelt erfahren, die ihnen wohlwollend gegenüber eingestellt ist und sie nicht als gesellschaftliche Kostenfaktoren betrachten, so wie wir es derzeit überall antreffen.

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