Westerwaldkreis. Wie können im Westerwald geeignete Arbeitsplätze für psychisch kranke Menschen geschaffen werden? Diese Frage hatte bereits bei einer früheren Veranstaltung des Forums Soziale Gerechtigkeit zur Debatte gestanden und wurde nun bei einem weiteren Treffen von Vertretern entsprechender Einrichtungen im Integrationsbetrieb „Café Vogelhaus“ im Detail diskutiert. Die Teilnehmer legten am Ende 20 Handlungsempfehlungen vor, für deren Umsetzung jetzt in den zuständigen Gremien und Organisationen geworben werden soll.
Kamen bei einem ersten Fachgespräch zu diesem Thema noch überwiegend die zahlreich teilnehmenden Experten zu Wort, so waren diesmal vor allem Betroffene und Angehörige von Psychiatrieerfahrenen, aber auch einzelne Vertreter von Einrichtungen und Kommunalpolitiker, die sich für das Wohl der Kranken aus ihrer Region einsetzen wollen, gekommen. In einem sehr intensiv und zielgerichtet geführten Gespräch diskutierten sie über das, was im Westerwaldkreis nach ihrer Ansicht notwendig ist, um die Situation der betroffenen Menschen auf dem Arbeitsmarkt weiter zu verbessern.
Bei allen Vorschlägen und Forderungen wird davon ausgegangen, dass für die einzelnen psychisch kranken Arbeitssuchenden passgenaue Beschäftigungs-möglichkeiten angeboten werden müssen. Statt hoher Ausbildungsanforderungen und voller Leistungsfähigkeit müssten dabei die Schwere der Behinderungen und die fachliche und körperliche Leistungsfähigkeit entscheidend sein.
Betroffene brauchten bessere Möglichkeiten für Praktika und Arbeitserprobungen in Firmen des allgemeinen Arbeitsmarktes. Dies setze aber eine erhöhte Bereitschaft der Unternehmen zur Beschäftigung behinderter Menschen voraus. Von Arbeitsagentur und Arge/Jobcenter erwarten die Forums-Teilnehmer gezielte Angebote für diesen Personenkreis. Außerdem sei es sinnvoll, Zuverdienstprojekte als niedrigschwelliges Angebot sowie weitere Integrationsfirmen zu schaffen.
Einer ungebremsten Ausweitung der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) erteilte die Forumsrunde eine Absage. Als Alternative sollten Außenarbeitsplätze in normalen Betrieben weiter gefördert und die Übergänge aus einer WfbM auf den allgemeinen Arbeitsmarkt verbessert werden. Erwartet wird, dass das Thema bei der Psychiatrieplanung des Kreises und in der Psychiatriekonferenz auf Kreisebene mehr Gewicht bekommt. Wichtig sei auch, die regionalen Organisationsstrukturen der Hilfeangebote für Psychiatrieerfahrene im Westerwald zu verbessern.
Angeregt wurde auch, ähnlich dem “ Ausbildungspaten“, ein vergleichbares Modell für psychisch Kranke zu entwickeln, um diese bei der Suche nach einer angemessenen Arbeit zu unterstützen. Damit seien die Betroffenen und Angehörigen oft überfordert. Daneben sollen die gesetzlich festgelegten „Persönlichen Budgets“ für behinderte Menschen genutzt werden um ihnen mehr Entscheidungsfreiheit über ihre Lebens‑ und Wohnsituation zu ermöglichen.
Diese und viele weitere Handlungsempfehlungen will das Forum nun in den dafür zuständigen Gremien des Westerwälder Kreistages zur Sprache bringen.
„Hoffentlich verhilft das unserer psychisch erkrankten Tochter endlich zu einem passenden Arbeitsplatz. Dies ist nämlich der wichtigste Beitrag, um wieder weitgehend gesund werden zu können“, brachte es ein am Treffen teilnehmender Vater auf den Punkt.









