Bürger fühlen sich in Verbandsgemeinde sicher

Andree Stein, erster Beigeordneter, und Bürgermeister Edmund Schaaf nahmen die Ergebnisse der Bürgerbefragung in gedruckter Form von Polizeioberkommissarin Anke Zimmermann und Kriminaldirektor Volker Schmidt (von rechts) entgegen. (Foto: Herbert A. Eberth)
Montabaur. Die weitaus meisten Einwohner der Verbandsgemeinde Montabaur fühlen sich in ihrem Wohnumfeld sicher. Das ist das Fazit einer Befragung mit dem Titel „ Es geht um Ihre Sicherheit“, die von der Verbandsgemeindeverwaltung und der Polizeidirektion in Montabaur im Oktober des vergangenen Jahres unter 1000 Bürgern gestartet worden war. Die Ergebnisse wurden jetzt im Rathaus der Verbandsgemeinde (VG) der Öffentlichkeit vorgestellt.
Zwei Wochen hatten die ausgewählten Bürger Zeit, um den Fragebogen auszufüllen und zurückzuschicken. Von den 1000 Bögen waren 323 in Montabaur, 441 in elf Ortsgemeinden mit mehr als 1000 Einwohnern und 235 in 13 Gemeinden mit weniger als 1000 Einwohnern verteilt worden. 391 Rückläufe zählte die für die Aktion verantwortliche Projektleiterin der Polizeidirektion, Polizeioberkommissarin Anke Zimmermann, die auch die Details der Bürgerbefragung vorstellte. Eine Quote, die nach ihrer Darstellung den Ansprüchen an ein repräsentatives Ergebnis gerecht wurde.
So zeigen sich nach Auswertung der ausgefüllten Fragebögen mehr als 90 Prozent der Befragten gar nicht oder wenig beunruhigt durch sexuelle Übergriffe, Körperverletzungen, Überfälle oder Raub, Diebstahl, Veranstaltungslärm oder „herumlungernde Erwachsene“. Außerdem sind mehr als 80 Prozent gar nicht oder nur wenig beeindruckt durch Gefahren, die von betrunkenen oder herumlungernden Jugendlichen ausgehen könnten. Ebensowenig sind sie beunruhigt durch Fälle von Sachbeschädigungen oder Wohnungseinbrüchen. Schmutz und Müll in den Straßen, Verkehrsunfälle und Verkehrsrowdys hingegen sorgen bei den Bürgern noch am stärksten für Unruhe.
Unterschiede in der Einschätzung der allgemeinen Sicherheitslage in der VG, so Polizeioberkommissarin Zimmermann, gibt es zwar mit Blick auf die verschiedenen Altersgruppen der Befragten, kaum aber zwischen Männern und Frauen. Während sich Frauen durch Verkehrsrowdys oder –unfälle, Wohnungseinbrüche und sexuelle Übergriffe stärker beunruhigt fühlen, sind es bei den Männern herumlungernde oder betrunkene Personen sowie Körperverletzungen etwa durch Schlägereien.
Projektleiterin Anke Zimmermann wies auf ein deutliches „Stadt-Land-Gefälle“ bei der Einschätzung der Gefahrenlage hin. In Montabaur fühlten sich deutlich mehr Menschen durch die genannten Situationen bedroht als in den Ortsgemeinden der VG.
Rund 22 Prozent der befragten Bürger waren in den der Befragung vorangegangenen zwölf Monaten Opfer von Straftaten, die meisten davon durch Müll und Schmutz in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld (rund 30 Prozent), durch Verkehrsdelikte (zirka 24 Prozent) oder durch Sachbeschädigungen (rund 14 Prozent). Entsprechend stärker als andere Bürger wird diese Bevölkerungsgruppe von solchen Straftaten beunruhigt.
Von der Polizei erwartet die Mehrzahl der Bürger in der VG nach Aussage der Projektleiterin unter anderem mehr offene und verdeckte Präsenz etwa durch Streifendienste, mehr Radarkontrollen, eine stärkere Überwachung der Schulwege, aber auch mehr Informationen etwa im Internet. Die Bedrohungseinschätzung der Bürger, so wertete Volker Schmidt, Kriminaldirektor bei der Polizeidirektion Montabaur, die Ergebnisse der Befragung, stimme weitgehend mit den Erfahrungen und Daten der Polizei überein.










Wirklich interessante Fakten sind dünn gesät.
Die Ergebnisse der Bürgerbefragung zum Thema „Sicherheit“ bestätigen das Fazit einer ähnlichen Aktion von vor zehn Jahren: Die Bürger fühlen sich in der Verbandsgemeinde Montabaur sicher. So sahen es Kriminaldirektor Volker Schmidt von der Polizeidirektion in Montabaur und auch der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Montabaur, Edmund Schaaf.
Doch die bei der Präsentation der Ergebnisse zur Schau getragene Zufriedenheit mit der „gefühlten Sicherheit“ hat ein paar Haken: Da ist zum einen die Feststellung, dass die jüngste Befragung und ihre methodischen Grundlagen sich gar nicht mit jener von vor zehn Jahren vergleichen lassen. Wie also sollten sich dann die Ergebnisse der Befragungen vergleichen lassen?
Was hat sich im Vergleich zu 2000 verändert? In welchen Bereichen gab es nach Ansicht der Bürger Fortschritte und wo müsste noch nachgelegt werden? Da beide Untersuchungen für sich stehen, kann man an ihnen auch keine Entwicklung in Sachen „Sicherheitsgefühl“ ablesen. Wirklich aussagekräftige Fakten, die für Polizei und Verwaltung von Interesse sein könnten, sind dünn gesät. Daran ändert auch die Erklärung der Polizeiverantwortlichen nichts, dass die Ergebnisse der Befragung weitgehend mit den Erfahrungen und Daten der Polizei übereinstimmten.
Die Kritik daran folgte prompt: Die Psychologische Psychotherapeutin Dr. Annelie Scharfenstein, die für die Grünen im Montabaurer Stadtrat sitzt, hegte beispielsweise starke Zweifel daran, dass die Aussage der Befragten zur Problematik „Sexuelle Belästigung“ wirklich repräsentativ sei und der Thematik angemessen. Sie geht von einer hohen Dunkelziffer auch in der Verbandsgemeinde aus, was die Polizeivertreter uneingeschränkt bestätigten.
Ein weiterer Haken hat weniger mit der Befragung selbst, sondern mit möglichen oder erwarteten Konsequenzen aus dem Gefühl der Bürger für Sicherheit zu tun. Die meisten Befragten wünschen sich nämlich eine deutlich stärkere öffentliche wie auch verdeckte Polizeipräsenz. Wollten die politischen Vertreter dieser Erwartung nachkommen, müsste das Personal bei der Polizei erheblich aufgestockt werden. Wie aber sagte es Polizeihauptkommissar Reinhold Müller: „Wir müssen mit dem Personal auskommen, das wir haben.“
So bleiben am Ende mehr offene Fragen, als diese Art der Untersuchung sie hätte beantworten können. Positiv zu werten ist, dass sich ähnliche Befragungen zu „harten Fakten“ nach Aussage von Polizeioberkommissarin Zimmermann mit vergleichbar geringem Kostenaufwand bewerkstelligen ließen. Die Bürger dürfen also gespannt sein, ob Politik und Polizei hier tatsächlich am Ball bleiben.