Reisegruppe brachte Grippe mit
Westerwaldkreis. Neun positive Fälle von „Schweinegrippe“ will das Kreisgesundheitsamt mit Hilfe eines Rachenabstriches bei 20 Spanienreisenden aus Lloret de Mar festgestellt haben. Zwei Erkrankte kommen nach Angaben der Kreisverwaltung aus dem Westerwaldkreis. Die Reisenden waren am Sonntag nach ihrer Rückreise auf dem Parkplatz des ICE-Bahnhofs Montabaur von einer Amtsärztin des Kreisgesundheitsamtes untersucht worden, nachdem schon in Spanien einige Mitglieder der Gruppe über Erkältungssymptome geklagt hatten. Eltern informierten die Gesundheitsbehörde, deren Mitarbeiter daraufhin den Bus empfingen und Rachenabstriche vornahmen. Die Betroffenen und ihre Kontaktpersonen wurden telefonisch informiert. Ihnen wurde empfohlen, sich weiter von ihren Hausärzten behandeln zu lassen. Bisher seien die Fälle „milde“ verlaufen.
Die stellvertretende Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, Dr. Ursula Kaiser, beantwortet in einer Presseerklärung der Kreisverwaltung Fragen zu den aktuellen Grippefällen:
Wie gefährlich ist die neue Grippe?
In Deutschland sind bis jetzt fast alle Fälle milde verlaufen. Die Schweinegrippe erweist sich jetzt als erheblich harmloser als die übliche Grippe, die im Winter umgeht und der in Deutschland jährlich mehrere Tausend Menschen zum Opfer fallen. Die neue Grippe hat von den rund 3000 Menschen, die von ihr in Deutschland betroffen wurden, nur dreien schwer zugesetzt. Gestorben ist niemand.
Wie kann man sich schützen?
Die Tipps sind an und für sich banal: Hygiene ist der sicherste Schutz – nicht nur vor der Schweinegrippe, sondern vor vielen Infektionskrankheiten. Händewaschen vor dem Essen sollte selbstverständlich sein. Und Händewaschen ist auch immer dann sinnvoll, wenn man sich dort aufgehalten hat, wo sich auch viele andere aufhalten. Ohnehin hilft es gegen Ansteckungen, wenn man Menschenansammlungen wie in Bussen, U-Bahnen, Diskos meidet. Grippemittel wie Tamiflu gehören nicht in die Hausapotheke. Wenn es nötig ist, kann sie der Arzt verschreiben, wobei auch noch sehr zurückhaltend zu verfahren ist. Die Behandlung soll überwiegend durch die üblichen Grippe‑ und Erkältungsmittel erfolgen.
Wie kann ich andere schützen?
Grippeviren wandern von einem Menschen zum anderen – vor allem in winzigen Tröpfchen, wie sie beim Niesen und Husten zuhauf in die Luft gelangen. Wer niesen muss, sollte das in die Armbeuge tun. Das Husten mit vorgehaltener Hand ist unter Infektionsexperten dagegen verpönt. Fair wäre es auch, wenn sich jeder, der sich krank fühlt, selbst isoliert – also im Bett bleibt.
Schützt die Impfung?
Bisher gibt es noch keinen Impfstoff gegen die Schweinegrippe. Die Bundesländer haben allerdings jetzt für rund ein Drittel der Bevölkerung Impfstoff vorbestellt, der vermutlich im Herbst lieferbar ist und letztlich für die gesamte Bevölkerung aufgestockt werden kann. Es ist zu erwarten, dass der Impfstoff vor der Erkrankung schützen und kaum Nebenwirkungen haben wird. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt zunächst, Mitarbeiter im Gesundheitswesen zu impfen, dann Menschen, die für die öffentliche Ordnung zuständig sind, schließlich chronisch Kranke und Schwangere, bei denen sich bisher die schwersten Verläufe gezeigt haben.











Der derzeitige internationale Wirbel um das Grippevirus A/H1N1 sucht seinesgleichen: Als im April in Mexiko rund 80 von damals etwa 1300 Grippekranken starben, stand die Weltgesundheitsorganisation Kopf. Allen voran die Generaldirektorin der WHO, Margaret Chan. Man sprach von einem im Vergleich zur so genannten „saisonalen Grippe“ erhöhten „Tödlichkeitsfaktor“ (Letalität). Ziemlich schnell beschworen – neben den einschlägigen Sensationsmedien – auch nationale Behörden und halbstaatliche Institutionen wie das Robert Koch Institut die Gefahr einer weltweiten Epidemie, auch Pandemie genannt.
Das war mit Sicherheit der wesentliche Auslöser für hektische Betriebsamkeit bei der Pharmaindustrie, denn alle (selbst) Berufenen schreien seither nach einem Impfstoff. Kritische Stimmen kamen zunächst gar nicht und auch jetzt noch nur spärlich zu Wort. Kaum verwunderlich, denn die Hysterie brachte für die Aktien der einschlägigen Chemie-Konzerne einen „Jump Start“.
Dass Influenza-Viren schnell mutieren, ist schon aus vergangenen Grippewellen bekannt. Und auch in der Vergangenheit kam es zu hektischer Betriebsamkeit, etwa 1976, als US-Soldaten in Fort Dix von einer Form der Schweinegrippe infiziert wurden. Der aus Furcht vor einer Epidemie eiligst hergestellte Impfstoff steht noch heute unter dem Verdacht, erhebliche Nebenwirkungen produziert zu haben, und entsprechend groß war die Zahl der Schadensersatzklagen. In den USA hat die Regierung Obama daher für eine andere Art der Immunität gesorgt. In einem Beitrag in der Online-Ausgabe der Washington Post vom 17. Juli heißt es: „Hersteller von Impfstoffen und Bundesbeamten sind gegen Prozesse, die aus der Anwendung neuer Schweingrippeimpfstoffe resultieren, aufgrund eines Dokumentes immun, das von der Ministerin für Gesundheits‑ und Sozialdienste Kathleen Sebelius unterzeichnet wurde, erklärten Regierungsbeamte.“
Interessant ist auch, dass der derzeit vielfach empfohlene Arzneistoff Oseltamivir, besser bekannt als Tamiflu, von der amerikanischen Biotechnologie-Firma Gilead Sciences entwickelt wurde, einem Unternehmen, in dem der ehemalige Verteidigungsminister der Bush-Administration, Donald Rumsfeld, von 1997 bis 2001 als Vorstandsvorsitzender fungierte. Rumsfeld war bereits seit 1988 in dem Unternehmen tätig. Gilead arbeitet seit 1996 mit dem Pharmaziekonzern Hoffmann-La Roche zusammen, um das Medikament weiterzuentwickeln. Im Jahr 2000 wurde es erstmals zugelassen (2002 in der EU) und wird seither unter dem Namen Tamiflu von Roche hergestellt.
Es hat sich herausgestellt, dass A/H1N1 zwar reichlich ansteckend, der Krankheitsverlauf in den allermeisten Fällen jedoch harmloser ist als eine herkömmliche Grippe. Nicht zuletzt deshalb kritisiert der Pariser Medizin-Professor und Abgeordnete Bernard Debré die Seuchenpolitik der WHO und distanziert sich in scharfer Form vom aktuellen Umgang mit der Schweinegrippe: Der Virus-Typ A (H1N1) sei „nicht gefährlich“, die Schweinegrippe „etwas weniger gefährlich“ als die typische saisonale Grippe, sagte Debré der Zeitung „Journal Du Dimanche“.
Doch die Politik rennt auch hierzulande immer noch durcheinander wie ein in Panik geratener Hühnerhaufen. 50 Millionen Impfdosen haben die Bundesländer bestellt, im Herbst soll laut „Spiegel Online“ die erste Impfwelle für rund 22 Millionen Menschen in Deutschland anlaufen, geschätzte Kosten: etwa zwei Milliarden Euro. Die Krankenkassen erwarten für ihren Etat Mehrkosten von 600 Millionen Euro und reden schon mal vorab von Beitragserhöhung. Dabei gibt es noch gar keinen „marktreifen“ Impfstoff. Und das alles für eine Grippe, die sich bisher bei den meisten Betroffenen nicht viel heftiger als eine kräftige Erkältung „outet“. Die Menschen hierzulande sollten Vernunft walten lassen und erst einmal ihren Arzt „zu Risiken und Nebenwirkungen“ fragen, bevor sie sich eine Spritze mit Stoffen verabreichen lassen, von denen man noch gar nicht weiß, ob und wie sie wirken.
Die WHO täte vielleicht besser daran, ungeklärten Fragen zum Ursprung des Influenza-Ausbruchs in Mexiko nachzugehen. Interessante Hinweise auf mögliche Hintergründe hat der bekannte amerikanische, in Deutschland lebende Journalist und Autor William Engdahl in einem Beitrag gegeben, die einmal mehr auf gern verheimlichte Spuren der großindustriellen Produktion tierischer Lebensmittel führen. Wurde die Virusinfektion vielleicht deshalb von „offiziellen Stellen“ nur so lange „Schweinegrippe“ genannt, bis die Lobbyisten der Schweinefleisch-Industrie hinter und später auch vor den Kulissen erfolgreich gegen diesen Begriff vorgingen? Welche Rolle spielen dabei Schweinefleisch-Konzerne wie Smithfield Foods?
Smithfield, ein amerikanisches Unternehmen mit Sitz in Virginia, lässt – über seine Mehrheitsanteile an der polnischen Animex-Gruppe und andere Beteiligungen – in Polen annähernd „umweltgesetzfrei“ produzieren und ist mit Hilfe des eigenen, in Deutschland ansässigen Handelsunternehmens Yano und einer aggressiven Expansionspolitik auch auf dem deutschen Fleischmarkt präsent. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen meint dazu auf seiner Internetseite: „Es ist kein Zufall, dass Smithfield den europäischen Markt vom Osten her aufrollt. Dort sind die Produktionskosten, die Arbeitskräfte etc. günstig und die Umweltauflagen gering. In Westdeutschland wäre es aufgrund von Bürgerinitiativen und Umweltauflagen schon sehr schwierig, in den bei Smithfield gewohnten Größenordnungen in die Schweineproduktion einzusteigen, außer vielleicht in Ostdeutschland. Hier haben auch schon Verhandlungen mit Smithfield stattgefunden.“
Lieber Herbert,
der Eingangsbericht über die Reisegruppe sowie auch der Kommentar sind super.
Für mich ist unfassbar, wie gefühllos die Masse der Menschheit sich als Lemminge verhält und teilweise noch nicht einmal weiss, dass sie auch noch Lemmingen folgt.
Direkten Einfluss habe ich persönlich auf die Vorgänge all dieser Affentheater nicht. Nur ich kann jedoch über mein Leben entscheiden. Und dass tue ich!!!
Viele Grüße
Günther